Neues Jahr, neues Ich?
- Mariella Hörmann
- 6. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Jan.
Neujahr ohne Druck und warum du dir selbst Zeit lassen darfst.

Ein neues Jahr beginnt.
Für viele Menschen bedeutet das Hoffnung, Neuanfang, vielleicht auch Motivation. Für andere fühlt es sich eher nach Druck an: "Jetzt sollte sich etwas ändern. Jetzt müsste ich fitter, gelassener, erfolgreicher, glücklicher sein."
Überall begegnen uns Neujahrsvorsätze: mehr Sport, gesünder essen, produktiver sein, weniger Stress, mehr Achtsamkeit. Was oft gut gemeint ist, kann jedoch schnell zu einer zusätzlichen Belastung werden. Denn das Leben ist bereits anspruchsvoll genug und schnell kann es passieren, dass wir uns in einem Dschungel selbst gesetzter Ziele verlieren. Plötzlich erwischen wir uns dabei, wie wir nur noch auf die Ziellinie fokussieren und dabei das eigentliche Leben nicht mehr so richtig genießen, obwohl es doch so schön heißt: "Der Weg ist das Ziel".
Vielleicht kennst du das Gefühl, dass du "eigentlich" etwas ändern solltest, obwohl du im Alltag ohnehin schon viel leistest. Beruf, Familie, Beziehungen, eigene Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen kostet viel Kraft und Durchhaltevermögen. Dabei ist Veränderung kein Wettlauf und sie beginnt selten mit strengen Vorsätzen am 1. Jänner.
Oft sind es die kleinen, leisen Schritte unter dem Jahr, die wirklich etwas bewegen: stille Momente des Innehaltens, ein ehrlicher Blick auf die eigenen Grenzen, die Erlaubnis, nicht perfekt sein zu müssen und sich so zeigen zu dürfen, wie man ist und fühlt.
Manchmal ist der wichtigste Vorsatz, freundlicher mit sich selbst zu sein, den inneren Frieden zu wahren, Grenzen zu setzen und den eigenen Wert anzuerkennen. Denn dein Wert entsteht nicht durch Applaus von außen, sondern durch das leise Wissen in dir, dass du genug bist. Auch an den Tagen, an denen du zweifelst.
Du bist nicht wertvoll, weil du ein makelloses Aussehen hast, den vierten Marathon in Folge gelaufen bist oder in jungen Jahren besonders viel erreicht hast.
Du bist wertvoll, weil du fühlst, wächst, dir Fehler eingestehst, daraus lernst, manchmal hinfällst aber immer wieder aufstehst.
Und vielleicht geht es gar nicht darum, ein "neues Ich" zu erfinden. Vielleicht geht es darum, ein echteres Ich zuzulassen. Ein ehrlicheres Ich. Eine Version von dir, die nicht perfekt sein muss, sondern präsent ist. Das bleibt, nicht aus Angst, sondern aus Verbundenheit mit sich selbst. Ein Ich, das lebt. In allen Facetten, die das Leben bereithält. Nicht glatt, nicht immer leicht, aber wahr.
Manchmal besteht Wachstum nicht darin, etwas zu reparieren, zu kämpfen oder festzuhalten, sondern zu erkennen, dass man keinen Einfluss hat. Manche Dinge ihren eigenen Lauf nehmen, auch wenn man sich das anderes erhofft hat. Menschen dürfen sich verändern oder stehen bleiben, Menschen dürfen gehen und Menschen dürfen sich anders entscheiden.
Beides liegt außerhalb unserer Verantwortung.
Beides ist ok.
Beides kann man akzeptieren.
Akzeptanz bedeutet nicht aufzugeben oder gleichgültig zu werden. Akzeptanz bedeutet, den inneren Widerstand loszulassen und nicht mehr gegen eine Realität anzukämpfen, die sich nicht bewegen will. Es kann schmerzen zu sehen, dass eine Person nicht mitwächst oder dass eine Situation sich trotz aller Hoffnung nicht wandelt. Aber genau dort beginnt Selbstschutz: Zu verstehen, dass man nicht die Aufgabe hat, andere zu formen oder zu retten.
Akzeptanz ist ein erster Schritt für sich selbst.
Akzeptanz ist der Anfang von Veränderung.
Akzeptanz kann weh tun, aber ist ehrlich.
Und Akzeptanz ist vor allem immer eines: Die Achtung vor sich selbst.
Manche Erkenntnisse kommen leise. Sie sagen: Ich habe genug getan.
Und: Ich darf weitergehen.
Neujahr ohne Druck ist möglich. Der wichtigste Vorsatz?
Freundlicher mit sich selbst zu sein, den eigenen Wert anzuerkennen, sich Zeit zu geben und im Wettlauf gegen die Zeit eine kleine Pause einzulegen, während man Dinge und Entscheidungen akzeptiert, die man nicht beeinflussen kann.
Mariella




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